Thüringer Staatspreis für Ingenieurleistungen 2013

Wir sind stolz zum zweiten Mal ausgezeichnet worden zu sein! Am Donnerstag den 14. November 2013 wurde zum dritten Mal in der Staatskanzlei in Erfurt der Thüringer Staatspreis für Ingenieurleistungen gemeinsam durch das Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr und die Ingenieurkammer Thüringen vergeben.

Die Auszeichnung ist der Trendsetter für moderne, herausragende Ingenieurleistungen im Freistaat. 

Wir beteiligten uns mit dem Projekt „Abwasserbeseitigung in Stöckey im Landkreis Eichsfeld” am diesjährigen Wettbewerb, zu dem 28 Projekte eingereicht wurden. Die hochkarätig besetzte Jury tagte im Oktober in Erfurt hinter verschlossenen Türen.

Jurybeurteilung

Die infrastrukturelle Sanierung kleiner Gemeinden, insbesondere die Sanierung im Wasser- und Abwasserbereich, ist wegen der allgemein weiträumigen Siedlungsfläche und einem nur noch teilweise relativ intakten alten Kanalbestand fast ausschließlich mit hohem Kosten- und Zeitaufwand umzusetzen. 

Wegweisend wurde durch das Ingenieurbüro und die Gemeinde Stöckey nach einer wirtschaftlichen Variante gesucht und durch sinnvolle Kombination der Weiternutzung von bestehendem, funktionierenden Kanalbestand und des Neubaus einer Vakuumpumpstation in Standortkombination mit der benachbarten Kläranlage eine nachhaltige, vollbiologisch wirksame und umweltschonende Lösung gefunden. Die Entscheidung zur Vakuumentwässerung wurde nach komplexer Analyse verschiedener Entwässerungsverfahren sowie umfangreicher, wasserwirtschaftlicher, volkswirtschaftlicher und energetischer Untersuchungen getroffen. 

Vor allem die innovative, komplex angedachte Ingenieurleistung, die neue, nicht eben herkömmliche Verfahren ingenieurmäßig untersucht und praxisorientiert so modifiziert und anwendet, dass die anerkannten Regeln der Technik erfüllt sind und die Wirtschaftlichkeit gegeben ist, wurde von der Jury positiv bewertet.

Auch die relativ kurze Bauzeit – gerade für kleine Gemeinden zur Aufrechterhaltung der Infrastruktur im Ortskern und zur Minimierung der Belastung der Anwohner bedeutsam – und der erwartete geringe Wartungs- und Betreibungsaufwand sind beispielhafte Kriterien, denen zukünftige Infrastruktursanierungen mutig folgen sollten. 

Am 14. November war es dann soweit und wir wurden mit dem 2. Preis ausgezeichnet! 
Weitere Informationen siehe unter "Auszeichnungen".

Abwasserbeseitigung von Stöckey, Landkreis Eichsfeld
Stöckey ist ein idyllisch gelegener Vorharzort im Norden Thüringens. Abwasserbeseitigungspflichtig ist der Wasser- und Abwasserzweckverband (WAZ) „Eichsfelder Kessel“. In Stöckey lebten um 2005 rund 450 Menschen und der Ort verfügt über einige kleinere Handwerks- und Gewerbebetriebe. Für Stöckey war bereits damals eine Kläranlage als Einzelstandort vorgesehen, deren Errichtung jedoch noch in unbestimmter Zukunft lag.
In der Umsetzung der Forderungen der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) wurde es jedoch nach 2005 erforderlich, die Abwasserbeseitigung von Stöckey an die a.a.R.d.T. anzupassen. Der WAZ „Eichsfelder Kessel“ beauftragte daher die „Dipl.-Ing. Klaus Kunter – Ingenieurgesellschaft für Wasserwirtschaft mbH“ mit einer Vorplanung zur Abwasserableitung, in welcher verschiedene Entwässerungsverfahren, wasserwirtschaftlich und volkswirtschaftlich verglichen werden sollten. Auf Grund der weiträumigen Siedlungsfläche und einem noch relativ intakten alten Kanalbestand, der über die nächsten 20 Jahre zur Regenwasserableitung genutzt werden soll, stellte sich die Vakuumentwässerung im durchgeführten Kostenvergleich nach den Leitlinien der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser, betrachtet über einen Zeitraum von 100 Jahren (!), als die wirtschaftlichste Variante zur Schmutzwasserableitung heraus.
Die Vorteile der Vakuumentwässerung sind:

  • Elektrische Energie ist nur an der zentralen Vakuumpumpstation zur Erzeugung des Unterdruckes erforderlich, die Hausanschlussstationen funktionieren rein mechanisch,
  •  auf Grund der geringen Durchmesser von 90 bis 160 mm ergeben sich geringe Grabenbreiten,
  • auf Grund des Luftwassertransportes zur Vakuumpumpstation können die Leitungen auch gegen das Geländegefälle verlegt werden, dadurch ergeben sich geringe Verlegetiefen,
  • es sind keine Schachtbauwerke erforderlich,
  • auf Grund des geringen Erdbauaufwandes (Grabenbreite und –tiefe, keine Schächte) ergibt sich eine hohe Baugeschwindigkeit. Das erlaubt es, größere Gebiete bei minimaler Belastung der Anwohner in kurzer Bauzeit zu erschließen,
  • das System ist absolut dicht und erfordert nur einen geringen Wartungsaufwand.

Der Standort der Vakuumpumpstation wurde mit dem Standort der ebenfalls noch zu errichtenden Kläranlage Stöckey kombiniert. Aus verfahrenstechnischen Gründen fiel die Wahl auf eine Scheibentauchkörperanlage, welche sich durch ihren niedrigen Energieverbrauch auszeichnet.
Am 1. Dezember 2011 erfolgte nach nur 16 Wochen Bauzeit die offizielle Übergabe der Vakuumpumpstation und der Kläranlage Stöckey. In Umsetzung der Forderungen der WRRL reinigt die Kläranlage das Schmutzwasser nicht nur vollbiologisch, sondern erfüllt auch weitergehende Reinigungsanforderungen hinsichtlich Phosphor und Nitrat.
Mit dem Bau des Leitungsnetzes wurde bereits 2010 begonnen um die Kläranlage zur Inbetriebnahme mit ausreichend Schmutzwasser versorgen zu können. Im Jahre 2013 wird das Leitungsnetz nach nur 4 Jahren Bauzeit, in denen rund 5.000 m Vakuumentwässerungsleitungen verlegt worden sind, fertiggestellt.
Diese kurze Bauzeit ermöglichte gleichzeitig die koordinierte Verlegung eines Leerrohrsystems zur Breitbandverkabelung sowie die Erneuerung der Trinkwasserversorgungsleitungen im erforderlichen Umfang.
Dadurch hat Stöckey zwischen 2010 und 2013 einen infrastrukturmäßigen Quantensprung erlebt!